Gott ist Retter – Josua’s Geburtsbericht

Fast ein Jahr ist es jetzt schon her. E I N Jahr. Es kommt mir irgendwie vor, als wäre es schon viel länger her… Aber lasst mich von vorne anfangen: Im August 2018 erfahren wir die freudige Nachricht, dass unsere Familie um ein viertes Wölf(f)chen wächst :). Das es keine Schwangerschaft wie bei den letzten drei Jungs wird, merken wir recht bald. Aber dazu im unteren Text mehr. Ich nehme euch gerne in diese sehr intensive Zeit mit hinein – warum? Weil wir unendlich viel lernen durften in dieser Zeit, weil wir so viele kleine und grosse Wunder hautnah miterleben durften. Wir haben den Gott, an den wir glauben, ganz neu erfahren dürfen und dafür sind wir unendlich dankbar und möchten von ihm erzählen. Mut machen. Glauben vermitteln. Zeugnis sein. Möge unsere Geschichte genau das weitergeben:

 An Gott glauben lohnt! Es gibt nichts besseres.
Das erste und auch letzte Ultraschallbild (SSW 9)

Der HERR ist mein Hirte (Psalm 1,1)

17. August 2018: Die Freude ist bei allen groß, als wir erfahren, dass wir unser viertes Kind erwarten. Das hatten wir uns immer gewünscht. Die Schwangerschaft verläuft unkompliziert, mit den für mich üblichen Beschwerden wie Übelkeit und Müdigkeit. Mitte Oktober, in der 16. Schwangerschaftswoche (kurz: SSW) bekomme ich plötzlich starke Blutungen. Nach einem vollen Tag steh ich abends am Bügelbrett als es passiert. Erstmal mache ich mir keine sehr großen Sorgen, denn Blutungen hatte ich auch bei meiner zweiten Schwangerschaft, mit Noe, kurzzeitig. Am nächsten morgen gehe ich dann zum Arzt, der feststellt, dass ich ein Hämatom an der Plazenta habe, das einblutet und – im schlimmsten Falle – die Plazenta ablösen kann. Bedeutet, unser Kind wäre im Bauch nicht mehr versorgt. Das klingt unreal für mich, so sehr, dass ich erstmal laut auflache, als der Arzt mir Bettruhe verordnet. Einfach unvorstellbar. Was ist mit den täglichen Aufgaben, den 3 Kindern, dem aktuellen Ausbau unseres Dachgeschosses, der Versorgung der Arbeiter die deswegen bei uns wohnen und den sonstigen Terminen die anstehen? Unser Leben ist ja nicht gerade langweilig…Zu Hause zu sitzen/liegen, ist für mich eine sehr große Herausforderung, aber nur „für 5 Tage“ heißt es erstmal, das sollte auch für mich zu schaffen sein.

„…mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grünen Auen, er führt mich zu frischen Wassern…“ Psalm 23,1b+2

Meine liebe Schwiegermutter kommt und packt an. Dass Gott unser Baby bewahren kann, steht für mich fest. Dass es nach den fünf Tagen besser ist, erwarte ich sogar, weiß er ja, dass das für mich/uns schon schwer genug ist. Bei Gott sind schließlich alle Dinge möglich. Der nächste Arztbesuch ist dann doch ernüchternd, das Hämatom ist größer geworden und ich soll weiterhin hauptsächlich liegen. Die Krankenkasse genehmigt uns ab dem Zeitpunkt eine Haushaltshilfe. Ab Ende Oktober ist unser normaler Familienalltag auf den Kopf gestellt: Zwei Haushaltshilfen (eine davon ist eine sehr gute Freundin von uns) teilen sich die Wochentage bei uns und übernehmen alle täglichen Aufgaben, den ganzen Haushalt und die Kinder bis mein Mann, Samy, abends um 17 Uhr von der Arbeit nach Hause kommt. Eine wunderbare Hilfe und hier sehen wir schon Gottes perfekten Zeitplan. Dass unsere Freundin – Delila – genau in der Zeit bis Neujahr einspringen kann ist ein riesiges Geschenk für uns und auch Magdalena (über die Diakonie vermittelt) und später Mirjam (Januar bis April) passen sehr gut in unsere Familie hinein. „15 Minuten pro Tag laufen“ ist mir ab da noch erlaubt und durch das viele liegen, macht mir mein Kreislauf immer mehr zu schaffen. Zudem habe ich einen ziemlich hartnäckigen Husten zu der Zeit. Ziemlich schnell entsteht ein „Helfer Team Tina“ über unsere Gemeinde (Brüdergemeinde Haus Bethesda in Metzingen) und wir bekommen 4/5 mal pro Woche leckerstes Mittagessen geliefert. Die Jungs werden zum Spielen abgeholt und wir merken, wie viele Menschen uns in dieser Situation mittragen, für uns beten und bereit sind praktisch mit anzupacken und uns liebevoll unterstützen. Gott versorgt uns dadurch wirklich über unseren Verstand hinaus. Unsere Freunde sind richtig kreativ mit ihrer Hilfe 🙂 Wir bekommen neben Mittagessen auch Kuchen, Plätzchen, Apfelbrot, Hefezopf und Frühstück geliefert. So viele Dinge, die uns viel Freude bereiten und uns ermutigen.

Ich muss gestehen, so ganz ernst nehme ich die Situation bis dahin aber noch nicht, das ändert sich aber schlagartig, als ich Anfang Dezember wieder sehr starke Blutungen bekomme und dieses Mal auch starke Schmerzen. Am 04. Dezember (SSW 21+3) fährt Samy mit mir in die Klinik, in der man uns verkündet, dass ich vermutlich (durch die starken Blutungen ist der nötige Test nicht möglich) einen frühzeitigen Blasensprung habe und die starken Blutungen dazu führen können, dass unser Baby die nächsten zwei Stunden nicht überlebt. Sie bereiten uns auf das Schlimmste vor: eine Geburt unseres viel zu unreifen Kindes und dem Abschied nehmen. Ich nehme kaum etwas wahr in diesem Moment, sehe durch meine eigenen Tränen hindurch nur meinen weinenden Mann und höre einen Arzt zu, dem selbst die Worte zu fehlen scheinen. Ihn unterbricht dann schließlich die Hebamme mit ganz klaren und ehrlichen Worten. Wie sich im Nachhinein herausstellt, dachte sie, die Aussage des Arztes sei zu „lasch“ und die Lage sehr viel ernster. Wir sind im Schock. Nach drei sehr unkomplizierten Schwangerschaften und Geburten, haben wir uns nicht eine Sekunde darüber Gedanken gemacht, dass diese Schwangerschaft anders laufen könnte…

„Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens Willen…“ v.3

Ich muss bleiben, bekomme ein Zimmer mitten im Kreissaal und werde „wie ein rohes Ei behandelt“. Laut Ärzten sind die nächsten zwei Stunden, dann zwei Tage entscheidend. Entgegen aller Erwartungen bleibt es stabil. Trotz den unverändert starken Blutungen. Sehr viel Hoffnung hat in der Klinik außer uns keiner. Ich bin so dankbar um jeden Tag und vor allem über jede -gefühlt endlos lange- Nacht die vorbeigeht. So vergehen fast zwei Wochen. In diesen Tagen sehe ich außer Samy, die Kinder und paar einzelne Familienmitglieder und Freunde niemanden. Ich bete und flehe Gott an, unseren Kleinen zu retten, aber auch, dass wir es annehmen können, sollte sein Plan ein anderer sein. Ich kann kaum schlafen, lese und bete die Psalmen durch, höre viele Predigten und Lieder. Immer wieder kommt die Angst hoch und ich ringe mich zur Ruhe in Gott durch. Leicht ist das nicht – aber wie war das nochmal? „Der Herr ist MEIN Hirte“. Das will ich glauben! Auch in dieser Situation.

Das zu Hause alles so gut weiterläuft, liegt vor allem an Samy, Delila und Magdalena. Und ich bin so dankbar, dass die zwei Mädels so eingearbeitet sind und problemlos ihre Arbeitszeiten auf 9h pro Tag – nach Genehmigung der Krankenkasse – verlängern, um die Zeit abzudecken, damit Samy täglich wenigstens normal arbeiten gehen kann. Damit ermöglichen sie den Jungs einen relativ geregelten Alltag.

Die Ärzte raten uns mehrfach zu einer Abtreibung: das Risiko für mich selbst sei zu groß und das stehe bis zur Lebensfähigkeit des Babys für sie im Fokus. Für uns ist das keine Option und wir sind im Vertrauen, dass Gott uns diese Entscheidung abnimmt. Die Ärzte tun alles was sie können, doch ihr Können ist begrenzt und das Wissen macht mich irgendwie nur ruhiger: Gott ist hier durch uns und mit uns am Werk, das sollen auch sie sehen und erleben. Die Ärzte drängen uns zu einer Entscheidung und nach einem sehr hilfreichen Gespräch mit dem Oberarzt der Gynäkologie (Ein grosses DANKE an meine liebe Hebamme, die den Kontakt hergestellt hat!) fällt es uns leichter zu entscheiden, dass wir die Maximaltherapie (alles was medizinisch möglich ist, so wie es in Deutschland gesetzlich geregelt ist) ab der SSW 24+0 anstreben. Als Eltern kann man nicht verstehen, warum man sich da so festlegen muss, aber etwas was der Arzt im Gespräch zu mir gesagt hat, hat mir eine andere Sicht auf die Dinge gegeben: „man kann nicht ermessen, welche Schmerzen so kleinen Lebewesen zugefügt werden“ und, „er findet es ethisch nicht korrekt“. „Ein Abschied-nehmen nicht bedeutet, dass wir uns nicht für das Leben des Kindes entscheiden würden, sondern dass es gehen darf.“ Leicht sind so Gespräche nicht und wir hofften trotzdem unbeirrt weiter, dass es nicht zu dem Fall kommen würde.

Somit war klar: Sollte die Geburt vor diesem Stichtag beginnen, wird nicht eingegriffen werden. Unser Kleiner wird dann Palliativ betreut (Baby wird auf natürlichem Wege geboren und bekommt Morphium um schmerzlos in unseren Armen zu sterben). Mein persönlicher Alptraum.

„Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschatten, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich…“v.4

An einem Mittwoch Nachmittag (SSW 23+4) bekomme vorsorglich ein Medikament gegen Verstopfung und bekomme am Abend plötzlich starke Wehen und ich bin mir sicher: jetzt ist es soweit, ich muss Abschied nehmen. Ich bekomme Panik, rufe Samy schnell zu mir. Eine Schwester verabreicht mir – trotz vorheriger Ansage des Arztes in den „natürlichen“ Vorgang nicht einzugreifen – doch Wehenhämmer und die Wehen hören -Gott sei dank- auf. Im Nachhinein stellt sich heraus: das war die absolut richtige Entscheidung, aufgrund des Medikamentes das ich am Nachmittag erhalten hatte! Diese Tage und Nächte, bevor wir die SSW 24+0 erreicht habe, werden die bislang längsten und schlimmsten meines Lebens. Mein ganzer Körper ist verkrampft, als könnte ich das Baby vor dem geboren werden bewahren, wenn ich nur nicht locker lasse. 

In der Zwischenzeit komme ich in ein neues Zimmer: das Notfallzimmer direkt am Kreissaal. Einmal klingeln und die Hebammen kommen in Windeseile. Nicht gerade sehr beruhigend, diese Art von Patientin zu sein. Niemand weiß, was passiert, wenn das Hämatom platzen sollte und ob es überhaupt platzt. Es hat mittlerweile zwar aufgehört abzubluten aber es füllt sich nach wie vor mit Blut und löst somit immer mehr der Plazenta ab. 50% Versorgung fehlt unserem Kleinen zu dem Zeitpunkt schon. 

Wir erreichen SSW 23+5. Endlich! Ich bekomme die Lungenreifespritze zweimal innerhalb von 48h und mein Körper entspannt sich gefühlt zum ersten Mal seit 3 Wochen. Gott hat es ganz klar gemacht: er will das unser Baby noch weiter im Bauch wächst.

Parallel passiert auch zu Hause viel: unser zweiter Sohn, Noe, fühlt sich seit dem 17.Dezember nicht gut. Er kann nichts bei sich behalten und fühlt sich elend. Am
selben Tag verletzt sich Samy die Hornhaut im Auge mit einer Tannenbaumnadel.
Er sieht also nur noch auf einem Auge und hat ein spuckendes Kind zu Hause.
Absoluter Notstand.
Samys Mama kommt und schläft bei uns, um wenigstens die anderen Kinder zu
versorgen während Samy sich mit Kopf- und Augenschmerzen ganz unserem
spuckenden Noe annimmt. Delila geht am nächsten Tag noch zum Arzt mit Noe und
er bekommt Medikamente gegen Magen-Darm. Samy geht zum Augenarzt. Am
dritten Tag geht es Noe und auch Samy schlechter. Am Mittwoch heißt es dann,
dass Samy in die Augenklinik muss, damit man die verletzte Hornhaut
abschabt, da sich vermutlich Harz im Auge befindet und die Stelle so nicht
zuwachsen kann. Er bekommt eine Überweisung in die Klinik zur notwendigen OP. Noe geht es derweilen auch immer schlechter. Er reagiert kaum noch auf Ansprachen und isst
seit 3 Tagen nichts, spuckt selbst kleinste Mengen an Flüssigkeit aus. Am
Donnerstag steht für Samy und alle anderen die ihn sehen, fest, dass kann nicht
„nur“ Magen-Darm sein. Samy setzt sich daraufhin sofort – trotz seinem verletzten
Auge und dem eingeschränkten Sehvermögen – ins Auto und betet, dass Gott ihm
so viel Sicht schenkt, dass er Noe sicher und schnellstmöglich zum Arzt bringen
kann. Im Vertrauen fährt er los und Gott schenkt ihm ab dem Moment wirkliche
Besserung (so dass später nicht mehr operiert werden muss).

Beim Arzt angekommen geht alles ganz schnell: die Kinderärztin schickt sie umgehend ins nächste Krankenhaus mit Verdacht auf Blinddarm. Nach dortigen Untersuchungen
schickt die Klinik sie (weil sie notfallmäßig keine geeigneten Ärzte vor Ort haben) mit dem Krankenwagen direkt in die Universitätsklinik nach Tübingen, wo Noe sofort in den OP geschoben wird. Was genau operiert wird, erfahren wir danach, Diagnose in der Fachsprache: Volvulus, Darmverschlingung mit Darmdurchbruch.
Noe wurde wirklich bewahrt – einige Stunden später und er hätte im besten Falle
einen künstlichen Darmausgang davon getragen, sagen die Ärzte.

Was für ein Timing. Was für ein Wunder.

Wie in einem Roman oder Film kommt uns unser Leben ab da vor. Unsere Familie ist nun auf drei Orte aufgeteilt: Samy liegt als Begleitperson mit Noe in der
Kinderklinik, ich selbst mit Baby im Bauch in der Frauenklinik (immerhin in derselben Stadt) und Elias und Silas (unser Ältester und unser Jüngster) ziehen über die Feiertage zu meinen Eltern, die sich liebevoll in dieser schweren Zeit um die zwei verbliebenen Jungs kümmern. Vor allem bei unserem ältesten,Elias (5), bemerken wir, wie sehr es ihm zu schaffen macht, indem er ein Augenzucken bekommt, das zusehends schlimmer wird (was wohl seine Art ist, mit der schweren Situation umzugehen). Trost bekommen wir in diesen schwierigen Umständen durch Gott und seinen Zusagen, die wir uns gegenseitig zusprechen. Wir verstehen seine Wege nicht, die er mit uns als Familie gerade geht, ja wünschten uns sogar es wäre anders, und doch können wir jedem aus tiefster Überzeugung sagen, dass wir uns bei Gott sicher fühlen, so dramatisch die Situation auch ist. Das geht wieder mal über unseren Verstand hinaus.

„Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde, du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über.“ Psalm 23, 5

Der Chefarzt der Neonatologie der uns betreut organisiert, als er von Noe erfährt,
einen Krankentransport, sodass ich am Tag nach Noes Operation wenigstens für
zwei Stunden zu meinem Sohn darf. Dort sehe ich endlich auch Samy wieder (da
wir bei Noe von Magen- Darm ausgegangen sind, gab es in der Zeit keine Besuche
bei mir). Noe nimmt mich gar nicht wahr, er bekommt starke Schmerzmittel und
schläft viel. Die Operation war erfolgreich, ihm wurden 25 cm vom Darm entfernt.
Er ist zwar schwach, aber ihm geht es gut und ich freu mich so sehr, bei ihm zu
sein.
Nach dem Rücktransport erwarten mich bereits – fast panisch – die Schwestern und
der Chefarzt, der mich betreut. Mein HB (Blutwert) ist auf 5,1 gefallen, sollte ich
jetzt operiert werden müssen, könnte es sehr kritisch werden. Der Arzt hat mich auf
seine Verantwortung hin – trotz allem Widerspruch seiner Kollegen – zu Noe bringen
lassen und in der Zwischenzeit alle Vorbereitungen getroffen, damit ich sofort nach
der Rückkehr Blut bekomme. (Das alles erfahren wir erst kurz vor meiner
Entlassung.)


Und da war er dann: der Moment, an dem ich nicht mehr konnte und auch nicht mehr wollte.

Ich war am Ende meiner Kräfte, diese Panik der Ärzte war mir zu viel,
fühlte ich mich doch eigentlich echt ok. Seit Wochen musste ich jetzt schon liegen,
erduldete jeden Tag mehrmals gespritzt zu werden und mehrmaliges Blutabnehmen
(von dem ich scheinbar sowieso nicht mehr genug hatte), nahm Antibiotika
schluckte alle möglichen Arten an Tabletten uns dass alles in der Hoffnung, noch viele Wochen so weiterzumachen. „Wissen sie,“ so sagte ich zu der anwesenden Hebamme, „ich bin überzeugte Christin und glaube, dass Gott alles in der Hand hat, aber jetzt gerade verstehe ich ihn absolut nicht mehr“. Was dann als Antwort kam zeigte mir, wie vorsorgend und liebevoll unser Gott doch ist (was mich eigentlich nicht überraschen sollte): Die Hebamme schaute mich lächelnd – ja fast schon erleichtert an – und erwiderte: „Ich bin so froh, dass Sie das sagen. Wissen sie, ich bin selbst auch Christin, darf ich für Sie und Ihr Baby beten?“ Das Gott mich so unglaublich umsorgt war für mich ein riesiger Trost. Schickt er mir jemanden, der für mich glaubt, wo ich es nicht mehr kann und das genau zur richtigen Zeit. Was für eine Ermutigung. Und so beteten wir gemeinsam und ich wurde ruhig. Die liebe Schwester verkürzte mir daraufhin so manche wachliegende Nacht mit gutem Austausch.
Nach der Blutgabe verbrachte ich die nächsten 10 Tage direkt in einem Kreißsaal am CTG angeschlossen (Gerät zur Überwachung der Herztöne des Kindes). Dort hörte ich wie Frauen die Geburt durchlebten, den ersten Schrei des Babies, Ärzte die Nachts rennend über den Flur rannten und dabei „Notsectio“ riefen und erlebte den anspruchsvollen Alltag der Hebammen und Ärzte hautnah – grosses Lob an dieser Stelle!
Weihnachten verbrachten wir diese Jahr als Familie getrennt, auf die drei genannten Orte verteilt. Ich freute mich über Besuch von meinen Eltern, Elias und Silas, von sehr guten Freundinnen und meinen Geschwistern und, dass wir gemeinsam Weihnachtslieder im Kreißsaal sangen.

Besonders schön: Wir konnten dem Gottesdienst der Gemeinde zuschauen und erhielten viele liebevoll gestaltete Ermutigungsbriefe, die uns sehr berührten.

10 Tage nach Noes Not-Operation, überraschten Samy und er mich mit einem Besuch. Ihm durfte es so schnell besser gehen, dass er früher als gedacht entlassen wurde. Witzig ist noch zu erwähnen, dass mein Mann in der Klinik einem Kindheitsfreund über den Weg lief, der jetzt als Arzt (Chirurg) für Kinder tätig ist – ja, die Welt ist echt klein…und dieser Arzt sollte zu einem späteren Zeitpunkt nochmal Teil unserer Geschichte werden…dazu mal in einem anderen Blog mehr – sonst nimmt das hier gar kein Ende mehr 🙂

Zumindest ein Teil unserer Familie war somit wieder vereint. So begann dann auch das neue Jahr 2019 für uns und wir dankten Gott, dass er es möglich gemacht hatte.

So viel wurde für uns gebetet und er hatte uns so weit gebracht.

„…nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens, und ich kehre zurück ins Haus des Herrn lebenslang.“ Psalm 23, 6

Am 02. Januar bekam ich wieder starke Wehen und Schmerzen und nach einer
eingehenden Untersuchung entschied sich die zuständige Ärztin einen
Kaiserschnitt durchzuführen. Unser Kleiner hatte einen sehr hohen Puls und man
vermutete eine Infektion. Die Schmerzen könnten darauf hindeuten, dass mein
Körper die Infektion „bekämpft“ und die Plazenta sich lösen könnte. Man wollte
somit nichts weiter riskieren und so wurde um

16:23 Uhr unser vierter Sohn in der SSW 25+5 mit 915 g und 32 cm geboren.
Josua Finn. Josua bedeutet: Gott ist Rettung.


Ganz bewusst hatten wir uns für den Namen „Josua“ entschieden. Den Zweitnamen
haben die älteren Brüder ausgesucht. Dass die Entscheidung der Ärztin sehr richtig war, zeigte sich darin, dass sich tatsächlich die Plazenta löste, als ich auf dem OP Tisch lag. Gott
hat auch da Bewahrung geschenkt. Da alles so schnell ging, verpasste mein Mann leider die Geburt. Ich durfte unseren Sohn kurz sehen bevor er direkt zur Erstversorgung den Ärzten und Schwestern der Intensivstation übergeben wurde, während die Ärzte mich versorgten und das Hämatom mit fast 1 Liter Blut absaugten.

Ab da begann unsere Reise mit unserem Extremfrühchen in der Neonatologie/Intensivstation (die ganze 101 Tage dauern sollte). Die Ärzte bereiteten uns vorab auf eine anstrengende Zeit vor und doch kann einen niemand auf das vorbereiten was man da durchlebt, sieht und hört. Auf diese Reise nehme ich euch aber gerne in einem der nächsten Beiträge mit. Abschließend bleibt uns nur noch zu sagen:

Dass sich Gott zu vertrauen lohnt, haben wir immer gewusst, aber in dieser Zeit ganz neu erfahren. Seine Güte und Gnade begleitet uns Tag für Tag.

Hier ergänzend ein paar Bilder:

6 Kommentare zu „Gott ist Retter – Josua’s Geburtsbericht

  1. Wow, wow, wow! Gott ist so gut!! Echt Hallelujah für diese vielen krassen Wunder und Versorgungen!!
    Danke an dich, liebe Mama- Wölfin für deine Ehrlichkeit, deinen Mut und dein Herz. Jesus freut sich so sehr über dich! Diese anstrengende und kraftzehrende Zeit wird für euch als Familie in Form eines Schatzbergs im Himmel zu finden sein, das glaube ich. Ich bin tief beeindruckt und bewegt von eurer Story!
    Ihr seid ein echt starkes Team und leuchtet hell! Gottes reichen Segen euch, immer mehr und mehr…
    Much love und liebste Grüsse einer fourlausers raisenden Mama:)

    Gefällt 1 Person

    1. Danke liebe Mama Lauser für deine ganz liebe Nachricht. Du bist ja mein erster „Kommentar“ und ich hab erstmal gestaunt, dass das überhaupt jemand entdeckt und gelesen hat – haha 😉 Gott ist wirklich gut und durch das was wir mit ihm erlebt haben in dieser Zeit, haben wir das noch tiefer erfahren. Wie schön, dass mit anderen zu teilen! Gott mit dir, Tina

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  2. Hallo, ich weiß nicht ob Sie sich an mich erinnern, ich erinnere mich aber sehr gut an Sie!
    Ich war in der Zeit Hebammenschülerin an der Unifrauenklinik Tübingen und im kreißsaal tätig, ich habe Sie dort sehr oft betreut.
    Mittlerweile bin ich selbst Hebamme.

    Eine meiner ehemaligen Kolleginnen hat diesen Blog entdeckt und in unsere Whatsappgruppe geschickt.
    Dieser Blog hat mich zu Tränen gerührt.
    Ich habe mich ganz oft gefragt wie es Ihnen ergangen ist, da bei uns dann das Examen und die vielen Prüfungen dazwischen kamen und wir so mehr in der Schule als im Kreißsaal verbrachten.
    Ich habe mich so gefreut zu lesen dass Sie es tatsächlich geschafft haben!
    Daher noch nachträglich herzlichen Glückwunsch zu ihrem vierten kleinen Wolf.
    Für mich war es wirklich etwas sehr besonderes, sie damals zu betreuen. Diese Erfahrung hat mich geprägt und sehr berührt.
    Natürlich war dem so weil ich kurz vor meinem Examen stand und das Bewusstsein immer klarer wurde, dass ich in wenigen Monaten selbst verantwortlich sein würde, auch in solch schweren Fällen wie Ihrem.
    Aber Sie waren immer so positiv und zuversichtlich und einfach voller Vertrauen… von Frauen wie Ihnen kann man als Hebamme eine ganze Menge lernen.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute. Ihr Blog hat meine vielen offenen Fragen beantwortet.

    Viele herzliche Grüße,

    Melina Said
    ehemalige Hebammenschülerin der Universitätsfrauenklinik Tübingen

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    1. Hallo Melina, wow, danke für die liebe Nachricht.
      Ich hab mich echt so sehr gefreut von Ihnen zu lesen! Tut mir leid, aber ich hab gerade leider kein Bild zu Ihrer Person, es waren einfach so viele Menschen, die ich in den „5 Wochen Krankenhaus“ begegnet bin und viele hab ich nur noch so verschwommen in Erinnerung…Aber was Sie da leisten in dem Beruf als Hebamme – davor hab ich allergrößten Respekt und Hochachtung. Ich hab mich wirklich sehr aufgehoben gefühlt und so umsorgt! Alle waren so mitfühlend. Also DANKE für alles! Ich kann mir vorstellen, dass es schön ist, wenn man dann mitbekommt, dass die Mühen sich gelohnt haben – das hat es wirklich – heute bereichert unser Josua unser Familienleben mit seiner fröhlichen und zufriedenen Art und wir staunen jeden Tag über ihn – Er lebt und ist gesund. Das ist ein riesen Geschenk! Ich wünsche Ihnen auch von Herzen alles Liebe und Freude im Beruf (ja und auch wenig so komplizierte Fälle wie mich 😉
      Glückwunsch auch zur Bestandenen Prüfung, Ihre Tina Wolff

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